Fünfsaiter mit Multimensur

Hauptkategorie: Instrumente Kategorie: Selbst gebaute Instrumente Zuletzt aktualisiert: Sonntag, 01. März 2015 Veröffentlicht: Sonntag, 22. Februar 2015 Geschrieben von Super User

Fünfsaiter

mit Multimensur und aktiver Elektronik

 

Wenn man etwas Besonders haben möchte, muss man entweder tief in die Tasche greifen oder auch viel Glück haben so etwas zu bekommen. Die andere Möglichkeit ist, es selber zu machen. Ob es so funktioniert steht ja auf einem anderen Blatt und zwingt einen zudem noch zum Experimentieren bis es geht. Ist der Effekt nicht merklich, nicht zu hören oder gar überhaupt nicht vorhanden, sieht das Endprodukt zumindest bestimmt  „exotisch“ aus. Auch ein Gewinn!

So oder so ähnlich fing ein Artikel im Netz an, den ich vor einiger Zeit gelesen hatte. Leider finde ich ihn nicht mehr wieder. Ist bestimmt in den Tiefen einer Chatchronik verschwunden. Dieser Artikel war aber der Grund, dass ich mich auf der Suche nach etwas Besonderen immer wieder an den darin vorkommenden Fünfsaiter erinnerte. Wie gesagt, das besondere war nicht die Superlong-Mensur oder die fünf Saiten. Nein das Besondere war die „Multimensur“. Sieht wirklich exotisch aus und ist meines Erachtens, ich habe nichts Vergleichbares gefunden, ziemlich einzigartig. Somit möchte ich diese Idee nicht auf meine Schultern legen, sondern auf die, diese Unbekannten! Nicht desto Trotz, es gab ja keine Bauanleitung und ich musste alles selber entwickeln. Kleiner Anteil also wieder an mich. Haha (Witz).

Das erstellen einer Vorlage eines Fünfsaiters ist soweit nichts Besonderes. Die Hardware die verarbeitet werden soll gibt ja schon einige Maße vor und die Mensur tut quasi selbiges. Nicht aber die Multimensur. Das Fünfsaiter sich vor allem in der Heavy Metal-Szene eingebracht haben liegt ja vor allem an der tiefen H-Saite. Diese bekommt durch eine Superlong-Scale Mensur noch einen dunkleren touch. In der Mensurlehre ist fest gehalten, dass eine Saite, je weiter die Auflagepunkte auseinander liegen, weiter schwingt als eine deren Auflagepunkte enger zusammenliegen. Bedingt durch ein weiteres schwingen wird die eigentliche Schwingzeit.(Frequenz) länger (tiefer)und die Saite klingt dunkler, hohler. Ist die Schwingung kürzer wird die Schwingzeit (Frequenz) schneller (höher) und somit heller, brillanter. Dies machen sich Saiteninstrumentenbauer zu Nutze um eine nahezu unbegrenzte Vielfallt an Instrumenten für jede Stimmung und Musik zu bauen. Als Beispiel die kleine 4-Saitige Geige mit einer sehr kurzen Mensur und ihrem hohen, brillanten Klang und der riesige 4-Saitige Kontrabass mit einer entsprechend langen Mensur, welcher natürlich inkl. seines voluminösen Korpus eine tiefen sonoren Klang erzeugt. Dazu sei angemerkt, dass zu der Länge der Schwingung auch die Saitenstärke (Dicke) eine große Rolle spielt. Dies wiederum ist aber auch eine wissenschaft für sich und sollte dem Hersteller vorbehalten sein. Denn das Herstellen einer Stahlsaite erfordert auch fundierte Kenntnisse in Metallurgie und Physik. Genießen wir also den Umstand, dass wir die Saiten mit den entsprechenden Angaben zur Verwendung frei im Handel vorfinden. Den Einsatz dieser, ob sinnvoll oder nicht, bestimmen wir.

Nun zur Idee:

Ein Instrument mit einer sonoren tiefen H-Saite und einer brillanten G-Saite.

5-Saiten Bassgitarren Stimmung Standard

 

 

 

 

Abb.: 1)  5-Saiten Bassgitarre-Stimmung Standard     

 

Bezeichnung

Saiten

Stimmung

Standard

5

,,H - ,E - ,A - D - G

C

5

,C - ,E - ,A - D - G

Hohes C

5

,E - ,A - D - G - c

Abb.: 2)  5-Saiten Bassgitarre-Stimmung      

 

Die Theorie:

Eigentlich nichts Besonderes. Die Superlongscale-Mensur oben anreißen und die Short-Scale unten. Hmm??? Und nu? So einfach ist’s wohl doch nicht. Die Bundstäbchen laufen ja schräg! Der Steg und der Sattel auch! Also wie bekommt man nun alles Bundrein und obendrein noch bespielbar? Das heißt also Zeichenbrett rausholen und den Mensurrechner bemühen. Als erstes die Längste Mensur zu Papierbringen. Den Sattel-, Steg- und 12.Bundpunkt genau markieren.

Abb2

Nun sind ja schon etliche 5-Saiter gebaut worden, wodurch die Hals breiten am Sattel und am 12. Bund bekannt sein sollten. Diese Maße müssen nun an den Entsprechenden Stellen mit etwas Überstand (etwa 5mm) eingetragen werden. Der Hals steht ja an den Äußeren Saiten über damit die Saiten nicht überrutschen. Nun kann der gesamte Halsverlauf aufgezeichnet werden.

Abb3

Die kürzeste Mensur wird auf die untere Halskante eingetragen, mit dem 12. Bund als Anschlag.

Abb4

Sieht schon mal ganz gut aus. So ist es aber noch nicht optimal. Wir müssen die Bespielbarkeit noch anpassen. Der Hals ist eh schon sehr breit. Nunn  noch schräge Bünde?? Also was tun?


Die Praxis:

Am wichtigsten ist natürlich die Bundreinheit. Wie man sieht kann nicht so einfach der Bund angezeichnet werden. Dies kann nur auf dem Exakten Verlauf der Saite geschehen. Schuld ist der Schrägversatz.

Abb5

Trägt man die Bünde an der äußeren Kante ein ist die Strecke (b) länger als die vorgegebene Länge (a). Dies ändert die eigentlich gewollte Mensur und erschwert die Kontrolle der übrigen Mensuren da diese ja an der Saite gemessen werden müssen. Also die Mensur an der „Saite“ anzeichnen. Wobei auch dabei so genau wie Möglich gearbeitet werden muss. Spitzer Bleistift muss sein! Da nun die Beiden Mensuren mit den wichtigsten Punkten aufgezeichnet sind ergeben sich nun die schrägen Bünde anhand des Sattels. Die Bünde gehen irgendwann in die Senkrechte und dann in die gegen gesetzte schräge. So ist nun ein Einzelsteg zu benutzen, da ein Kompaktsteg sich nicht so schräg montieren lässt. Um nun die schräge auf dem Griffbrett so gering wie möglich zu halten, am Steg ist dies zu vernachlässigen dort wird ja nur gespielt, Habe ich etwas rumexperimentiert. Ich habe die kürzer Mensur so verschoben das der senkrechte Bund zwischen dem 8. Und 9. Bund liegt. Ein Kompromiss an die Bespielbarkeit. Wobei der 12. Bund immer noch die halbe Mensur bezeichnet.

Abb6

Nachdem alle Bünde eingetragen und die Punkte mit einender verbunden sind können die Bünde auf ihre Richtigkeit überprüft werden. Um nun die Richtigkeit der Bünde zu überprüfen zeichnet man die 3 restlichen Saiten ein, misst die längen zwischen Sattel und Steg welche die anderen Mensuren ergeben. Diese geben wir in den Mensurrechner ein und können nun die einzelnen Werte überprüfen.

Hierbei muss man natürlich bedenken, ist der Unterschied zwischen den Mensuren zu groß, umso schräger sind die Bünde. Man kann, richtet man sich nach einem Mensurrechner, auch freie Mensuren wählen. Versuche haben aber ergeben, dass ein Versatz von 2-3 cm nicht überschritten werden sollte. Dem nach also short mit medium, medium mit Long, Long mit … etc. .

Mensurtabelle für Bass:

Mensur

Länge (mm)

Short

30“ = 762

Medium

32,5“ = 828,5   /   32“ = 813

Long

34“ = 863,6

Superlong

34,8“ = 886

Extrasuperlong

36“ = 914

 

Durch die Einzelbrücken kann die Saitenbefestigung variabel an die ermittelten Mensuren angepasst werden. Der Sattel muss natürlich von Hand aus einem Rohling angefertigt werden da die Saitenführung durch die Schräge nicht mehr rechtwinklig durch den Sattel geführt wird. Nachdem nun das Wichtigste das Griffbrett entwickelt ist, ist der Rest eigentlich ein gewohntes Prozedre.

 

Die Elektronik:

Um nun unserem Aufwand recht zu tun, sollte die Tonabnahme schon etwas exquisiter sein. Eine „aktive Elektronik“ sollte es schon sein. Diese beinhaltet einen internen Vorverstärker der einen internen Equalizer mit Balance unterstützt. Zusammen mit der Pickupauswahl sollte sich eine nahezu unbegrenzte Klangmöglichkeit ergeben. Leider ist zum Elektronikbauteil auch ein Batteriefach mit einzuplanen

 

Fazit:

Ob sich der Aufwand lohnt oder gelohnt hat, wird die Fertigstellung zeigen. Die Konstruktion steht der Plan steht und es ist auch schon einiges passiert. Wie gesagt, es sieht schon umwerfend aus.

 

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